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»Ziel ist eine temporäre Umnutzung der Strasse«, erklärte uns die
Projektgruppe tv-control, die den Abend vorbereitet, »um die scheinbar
selbstverständliche Beschränkung des Zugangs zu öffentlichen Räumen
spürbar zu machen.« Es sei zwar nicht so, daß mensch überall Eintritt
zahlen müsse, aber in vielen sogenannten öffentlichen Räumen sei
der Aufenthalt doch durch Abgaben geregelt, etwa durch Konsum von
Waren oder Verzehrpflicht. Dabei handle es sich meist um halbprivate
Räume, die nur den Anschein öffentlicher Zugänglichkeit erwecken
sollen, etwa Einkaufspassagen. Aber auch in anderen Räumen gebe
es Beschränkungen.» Wer sich ohne erkennbaren Grund auf der Straße
aufhält, gilt leicht als verdächtig. Das kann beträchtliche Folgen
haben, auch rechtliche – eine mögliche Konsequenz des neuen Polizeigesetzes,
das verdachtsunabhängige Kontrollen erleichtern soll.«
Fernsehen als politische Aktion
Wie genau soll der Fernsehabend aussehen? »Formgebend ist
die Grundidee des Zappens. Statt mit einer Fernbedienung den Kanal
zu wechseln, sollen die Leute sich im Laufe des Abends von Spielort
zu Spielort begeben können«, so tv-control. Die »Programme«
an den verschiedenen Spielorten laufen teilweise gleichzeitig, so
daß sich jedeR ein anderes Programm erlaufen kann.
Organisiert wird das Projekt von Einzelpersonen und Gruppen, die
sich in Bremen mit städtischem Handeln künstlerisch und/
oder politisch beschäftigen. Wichtig ist tv-control dabei der
Vernetzungsgedanke. Die Wahl des Ortes fiel aufs Viertel, »weil
dieser Stadtteil starken Reglementierungstendenzen ausgesetzt ist.«
Das sei umso deutlicher spürbar, weil sich hier eine politische
und kulturelle »Szene« etabliert habe, die einerseits
sicher zur »Aufwertung« des Stadtteils beigetragen habe,
andererseits aber direkt von den negativen Seiten solcher Veränderungen
betroffen sei. »Außerdem liegt es nahe, einen Fernsehabend
wie diesen zu Hause zu veranstalten.«
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Die Privatisierung ehemals als öffentlich geltender Räume verschärft
und verdeutlicht dies, indem sich z.B. Einkaufspassagen längst nicht
mehr allen Gruppen in gleicher Weise öffnen und, um das durchzusetzen,
ihr Hausrecht geltend machen. Reguliert wird z.B. durch Kaufanreize
und Konsumangebote, Preisgestaltung, Raumgestaltung, Dreck, Sauberkeit,
Sitzbankmangel, Übersichtlichkeit, Unübersichtlichkeit, Überwachung,
Öffnungszeiten, Begehungsverbote, Besitzansprüche und unzählige
andere Ein- und Ausschlußmechanismen.
Privatsphäre, also unbehelligt sein von der Wertung anderer, gibt
es in der Öffentlichkeit nicht; dafür ist das Zuhause da, das als
Privatraum gegen den öffentlichen ausgespielt wird. Wer kein Zuhause
hat, ist verdächtig, auch andere Grundlagen des modernen Lebens
sabotieren zu wollen.«
tv-control
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