TV control -- Die Fernseh Illustrierte
 

Am 7. September wird das Viertel in einen begehbaren Fernseher verwandelt. An mehreren Orten draußen werden Kurzfilme, Videos und Installationen gezeigt, die sich mit dem Themenbereich öffentlicher /privater Raum auseinandersetzen. Doch was steckt hinter diesem konzertierten Fernsehabend? Wir fragten vor Ort nach.


Nachgehakt:
Wie ist der Zugang zum öffentlichen Raum geregelt?
»Noch nie war der öffentliche Raum für alle jederzeit zugänglich. Es gibt feine Abstufungen, die je nach Art des Raums aufgrund von Geschlecht, Kaufkraft, sexueller Neigung, Herkunft, Alter etc. gelten.


tv control | 27-8-2001
tv@citycrimecontrol.net

»Ziel ist eine temporäre Umnutzung der Strasse«, erklärte uns die Projektgruppe tv-control, die den Abend vorbereitet, »um die scheinbar selbstverständliche Beschränkung des Zugangs zu öffentlichen Räumen spürbar zu machen.« Es sei zwar nicht so, daß mensch überall Eintritt zahlen müsse, aber in vielen sogenannten öffentlichen Räumen sei der Aufenthalt doch durch Abgaben geregelt, etwa durch Konsum von Waren oder Verzehrpflicht. Dabei handle es sich meist um halbprivate Räume, die nur den Anschein öffentlicher Zugänglichkeit erwecken sollen, etwa Einkaufspassagen. Aber auch in anderen Räumen gebe es Beschränkungen.» Wer sich ohne erkennbaren Grund auf der Straße aufhält, gilt leicht als verdächtig. Das kann beträchtliche Folgen haben, auch rechtliche – eine mögliche Konsequenz des neuen Polizeigesetzes, das verdachtsunabhängige Kontrollen erleichtern soll.«

Fernsehen als politische Aktion

Wie genau soll der Fernsehabend aussehen? »Formgebend ist die Grundidee des Zappens. Statt mit einer Fernbedienung den Kanal zu wechseln, sollen die Leute sich im Laufe des Abends von Spielort zu Spielort begeben können«, so tv-control. Die »Programme« an den verschiedenen Spielorten laufen teilweise gleichzeitig, so daß sich jedeR ein anderes Programm erlaufen kann.

Organisiert wird das Projekt von Einzelpersonen und Gruppen, die sich in Bremen mit städtischem Handeln künstlerisch und/ oder politisch beschäftigen. Wichtig ist tv-control dabei der Vernetzungsgedanke. Die Wahl des Ortes fiel aufs Viertel, »weil dieser Stadtteil starken Reglementierungstendenzen ausgesetzt ist.«

Das sei umso deutlicher spürbar, weil sich hier eine politische und kulturelle »Szene« etabliert habe, die einerseits sicher zur »Aufwertung« des Stadtteils beigetragen habe, andererseits aber direkt von den negativen Seiten solcher Veränderungen betroffen sei. »Außerdem liegt es nahe, einen Fernsehabend wie diesen ›zu Hause‹ zu veranstalten.«

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Die Privatisierung ehemals als öffentlich geltender Räume verschärft und verdeutlicht dies, indem sich z.B. Einkaufspassagen längst nicht mehr allen Gruppen in gleicher Weise öffnen und, um das durchzusetzen, ihr Hausrecht geltend machen. Reguliert wird z.B. durch Kaufanreize und Konsumangebote, Preisgestaltung, Raumgestaltung, Dreck, Sauberkeit, Sitzbankmangel, Übersichtlichkeit, Unübersichtlichkeit, Überwachung, Öffnungszeiten, Begehungsverbote, Besitzansprüche und unzählige andere Ein- und Ausschlußmechanismen.

Privatsphäre, also unbehelligt sein von der Wertung anderer, gibt es in der Öffentlichkeit nicht; dafür ist das Zuhause da, das als Privatraum gegen den öffentlichen ausgespielt wird. Wer kein Zuhause hat, ist verdächtig, auch andere Grundlagen des modernen Lebens sabotieren zu wollen.«

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